9. Mai 2021; 14 Uhr 20
Es ist nun schon über ein Jahr meiner Stadtratszeit vergangen; daher bietet es sich an, einmal zurückzublicken:
Besonders aufgefallen ist mir, dass die Zeit rasend schnell vergangen ist und dass die Arbeit viel Zeit in Anspruch nimmt. Ich bin mir nicht sicher, ob das daran liegt, dass ich des sog. „Einzelmitglied“ bin, aber es vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendein Termin liegt, bei dem ich mich zumindest überlege, ob ich nicht dort sein müsste. Schließlich will ich ja Bescheid wissen – auch wenn ich in den Ausschüssen kein Stimmrecht habe. Um zu verstehen, worum es eigentlich geht, müsste ich mich tiefer in die Materie einsteigen … Und so schmilzt mir die Zeit und ehe ich mich versehe, ist ein Jahr vorbei.
Was ich auch unterschätzt habe, ist, dass die Arbeit vom Alltagsgeschäft getragen ist. Das meiste muss einfach erledigt werden, weil es zum Aufgabenbereich des Stadtrates gehört. Da bleibt nicht viel Raum für neue Ideen und Kreativität und zu wenig Zeit. sich einzuarbeiten. Da merke ich schon, dass ich nichts deligieren kann. Da ist auch nicht viel Raum für grüne Ideen; im Detail vielleicht, aber da gibt es, was den Naturschutz betrifft, im Stadtrat weitgehend Konsens. Sicher, ich könnte dogmatischer sein, aber Dogmantismus sollte doch immer an der Vernunft scheitern.
Was ich auch unterschätzt habe, ist, wie schwer es auch für mich ist, mir Gehör zu verschaffen. An sich ist das für mich ja keine Problem, weil ich es aus meinem Beruf oder aus meiner Verbandsleitung kennen sollte, aber im Stadtrat ist es anders. Ich kann es nicht erklären, woran es liegt. Möglicherweise gibt es ja inoffizielle Spielregeln und Rituale, die ich noch nicht kenne. Aber es ist immer noch so, dass ich mir oft denke: „War das jetzt richtig? Haben sie mich verstanden? Wird das was bewirken?“ – und das nach über einem Jahr! Um es ehrlich zu sagen: Manchmal reitet mich auch der Teufel und ich sage Dinge, von denen Ich weiß, dass ich da besser die Klappe gehalten hätte. Und danach ist es mit dem gehört Werden wieder besonders schlecht.
Gleichzeitig habe ich inzwischen gelernt, dass Rhetorik und guter Wille nicht reichen, um zu bestehen. Man braucht ein feines Gehör für Zwischentöne und ein Gespür dafür, welche Formulierung und welcher Beitrag möglich ist und welcher nicht. So ein Stadtrat ist ein viel sensibleres Organ, als ich es je dachte. Im Grunde geht es wohl immer darum, auf der einen Seite Profil zu zeigen und gleichzeitig keine Türen zuzuschlagen. Gerade in diesem Bereich muss ich noch viel lernen. (Fortsetzung folgt.)
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